Mastershausen im 2.Weltkrieg 1944 – 1946 ( Ingrid Gastdorf)
Das damalige 830-Seelen-Dorf Mastershausen war am Ende des Krieges auf 1200-1300 Einwohner angewachsen, da sich die Verwandten aus der Stadt aufs Land evakuiert hatten.

Über die wirkliche Situation in Europa wurde man einerseits durch die Gefallenenberichte, deren Orte immer näher rückten, unterrichtet. Andererseits informierte man sich aber auch durch das illegale Abhören von ausländischen Sendern wie z. B. BBC, der auch in deutscher Sprache sendete, oder auch dem Schweizer Sender Radiobüro Münster. Letzterer war sogar relativ frei von Zensur. Von Konzentrationslagern oder ähnlichen Grausamkeiten der Deutschen hörte man dort allerdings nichts, es hielten sich jedoch hartnäckig Gerüchte über deren Existenz, die durch das Verschwinden von Geistlichen bestätigt schienen.
Die Kirche, vor allem unter Graf von Gaalen (Bischof von Münster), unterrichtete in Hirtenbriefen von geschehenem Unrecht. In Mastershausen trafen diese Informationen seltener auf taube Ohren als anderswo. Die Nationalsozialisten wurden nur scheinbar, insbesondere aber aus Gründen der Arbeit befürwortet. Arbeit in Form von Straßenbau und mit dem Eintritt in die Partei ging auch die Sicherstellung des eigenen landwirtschaftlichen Betriebs einher. Denn Parteimitglieder wurden, sowohl in der Zuweisung von Subventionen, als auch in der „Frontpolitik“, bevorzugt behandelt.

Man behielt im Dorf jedoch größtenteils die Freiheit, die man auch früher schon genossen hatte. Der einzige, nach außen hin erkennbar, überzeugte Nazi war der Dorfschullehrer, der später nach Faid versetzt und dort zum Oberlehrer und Ortsgruppenleiter ernannt wurde. Dieser ehrgeizige Mann konnte in der kleinen Gemeinde Mastershausen keine große Karriere machen. Er prägte jedoch die Jugend indem er versuchte, sie durch die Vergabe von Uniformen aber auch von Freizeiten zu überzeugten Anhängern der Hitlerjugend machen zu können. Er war auch der einzige, den die Amerikaner in das Entnazifizierungslager Diez brachten, aus dem er nach einem Jahr todkrank entlassen wurde.
Das die Mastershausener nicht blindlings den Parteidoktrin folgten, beweist auch die gute Behandlung ausländischer Kriegsgefangenen, von der manche sogar behaupten, diesen sei es besser gegangen als den deutschen Soldaten. Denn trotz der ca. 400 Mehreinwohner brauchte niemand zu hungern. Die Franzosen, die ab 1944, aber auch Polen und Serben, die ab 1945 in der alten Schule untergebracht waren, sagten später zu Gunsten der Dorfbewohner aus.