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Das Schicksal der Auswanderer (E. Schug/U. Christ)
Hoffnung auf ein besseres Leben
Not und Elend herrschte im Leben der Hunsrücker im 19. Jahrhundert. Extrem lange Hitze- und Trockenperioden hatten Missernten zur Folge. Auch wurde unser Landstrich von einer Mäuseplage heimgesucht, die große Schäden am Saatgut verursachten. Durch die plötzlich auftretende Kartoffelfäule minderte sich die Ernte und auch das Pflanzgut, so dass das Hauptnahrungsmittel, die Kartoffel, den Menschen nicht mehr zur Verfügung stand. Die katastrophale Missernte zog eine große Hungersnot nach sich. Hunger und Elend begünstigten Krankheiten und in diesen Jahren stieg die Sterberate, vor allem bei kleinen Kindern und alten Menschen, auf ein Vielfaches.
Die schlechte wirtschaftliche Lage der Menschen war nicht nur bedingt durch die Missernten. Eine weitere Ursache war das Erbrecht. Seit Generationen wurde der gesamte Besitz unter den zahlreichen Nachkommen aufgeteilt, so dass den Familien immer mehr die Lebensgrundlage entzogen wurde. Einzige Erwerbsquelle war die Landwirtschaft und durch das Teilen der Ackerfläche wurden die Felder von Generation zu Generation immer kleiner, so dass letztendlich nur noch winzig kleine Parzellen zur Bewirtschaftung und Ernährung einer großen Familie übrig blieben.
Viele Menschen sahen sich gezwungen ihre Familie und ihr Dorf verlassen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie mussten „dienen“ und als Magd oder Knecht auf einem anderen Hof arbeiten. Das Entgelt für diese schwere Arbeit bestand in einer kostenlosen Unterbringung und freien Kost. Es wurde kein weiterer Lohn ausgezahlt, Knechte und Mägde erhielten höchstens jährlich neue einfache Arbeitskleidung.
In diesen Zeiten der wirtschaftlichen Not sahen viele nur einen Ausweg aus ihrer katastrophalen Lage. Anfangs entschlossen sich nur wenige Familien oder einzelne Personen zur Auswanderung. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand eine wahre Auswanderungswelle und geblendet durch Berichte einzelner Auswanderer und Werbeanzeigen von Schiffsagenturen und Agenten entschlossen sich immer mehr Menschen schweren Herzens ihre Heimat zu verlassen.
Während ein Teil der Familien nach Amerika auswanderte, suchten andere eine neue Heimat in Brasilien. Bedenkt man, dass sich in diesen Zeiten die Menschen nur in ihrem engsten Umkreis bewegten, dann lässt sich erst ermessen, welchen ungeheuren Schritt die ausreisewilligen Familien unternahmen. Eine Fahrt nach Koblenz bedeutete eine Weltreise und dann - Brasilien oder Amerika - wurde nur von wenigen, in unausweichlichen Lebenslagen, unternommen.